Kleine Auszeit am Steinhuder Meer – Part I

Fischbrötchen essen, Sand unter den Füßen spüren, Surfen und Radfahren – klingt nach dem perfekten Nordseeurlaub? Falsch! Wir waren am Steinhuder Meer bei Hannover!

Landlust und maritimes Treiben

Ja, du hast richtig gelesen. Bei Hannover am Steinhuder Meer lässt sich maritime Romantik fast genauso authentisch erleben wie an unseren schönen Nord- und Ostseeküsten. Nur, dass der Wind nicht nach Salz riecht muss man verschmerzen. Ist aber machbar.

Zugegebenermaßen war Hannover allerdings auch für uns nicht unbedingt die erste Idee für unser Wochenende im Grünen. Und es ist ja auch eher das Umland geworden – aber das hat uns wirklich überrascht! Idyllischste Backsteinarchitektur wie man sie in Lübeck kaum schöner findet, kreischende Möwen, kleine weiße Segel auf glitzernden Wellen, von plätschernden Bachläufen durchzogene Moorlandschaften, weiße Birkenwälder wie im Märchen, feinsandige Badestrände – soll ich weitermachen? Hach, ich könnte gleich schon wieder los!

(Das) Los (entscheiden) lassen

Wer sich einen Kurzurlaub gönnen will, der will sich frischen Wind um die Nase wehen und die grauen Zellen durchwirbeln lassen. Sich erholen. Den Alltag vergessen. Kurz: Einfach mal loslassen. Deshalb haben wir kurzerhand das Los entscheiden lassen. Wir, das sind mein Mann und ich.

Es waren noch Schulferien, an den Hotspots also ohnehin noch total überfüllt, wir wollten nicht weit fahren (was übrigens perfekt in unseren Nachhaltigkeitsgedanken passt) und wir hatten Lust auf ein paar unaufgeregte Tage, die Körper und Geist entspannen. Mit den Hunden herumspazieren, vielleicht ein bisschen radeln, all das, wovon ein Städter eben träumt: Weite, Natur, Schönheit fürs Auge. Mein Mann schrieb ein paar Gastgeber von Ferienwohnungen an, darunter war eher zufällig auch eine an der Steinhude. Und siehe da: Die Wohnung war noch frei, lag in einem efeubewachsen Traumhäuschen in Alleinlage und war nur einen Katzensprung vom „Meer“ entfernt. Wir sagten zu, packten unsere Taschen, räumten die Bude auf, luden die Hunde ins Auto – und los ging’s. Ja, noch am selben Tag. Wie gesagt, es war kurzfristig.

Die Anfahrt dauerte knapp zwei Stunden. Wir sind mit dem eigenen Auto gefahren. Klar, Autofahren ist immer ein schwieriges Thema, was den Nachhaltigkeitsgedanken betrifft. Aber eine zweistündige Fahrt fanden wir durchaus vertretbar, zumal keine akzeptable Bahnverbindung bis in das kleine Örtchen verfügbar war – und natürlich auch keine Mitfahrgelegenheit, mit zwei Hunden!

Auf zu neuen (Binnen-)Ufern

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Bei diesem Projekt geht es nicht darum, die perfekte nachhaltige Lebensweise beziehungsweise Reiseweise vorzustellen. Viel eher geht es darum, Nachhaltigkeit lebbar und mit Freude in unsere Reisen zu integrieren und umgekehrt – und umgekehrt: unsere Reisen vom Thema Nachhaltigkeit und EcoTravel inspirieren zu lassen. Wären wir am Steinhuder Meer gelandet, wenn es dieses Projekt nicht gäbe? Nein. Wahrscheinlich wären wir einfach nach Holland an den Strand gefahren. Mal wieder! Stattdessen haben wir aber dieses wundervolle Fleckchen Erde entdeckt, nur zwei Stunden von unserer Haustür entfernt. Warum? Weil uns dieses Projekt einen Schubs in eine andere Richtung gegeben hat, die bislang einfach nicht in unserem Horizont lag.

Nun sind wir aber hier gelandet. Und schon als wir in der sanften Abendsonne durch endlos weite Feld- und Wiesenlandschaften fahren, werden wir ganz still. Und froh. Irgendwie ahnen wir schon: Hier wird es schön. Wir lächeln beide ein bisschen, während wir durch verschlafene Ortschaften gondeln, die backsteinrot in der Sonne leuchten und irgendwie nach Frieden aussehen. Das überträgt sich natürlich auf uns. Sogar die Hunde sind im Kofferraum eingeschlafen.

Als wir über die Schotteraufffahrt des ehemaligen Bauernhofs rumpeln, halten und zum Aussteigen die Türen öffnen, weht uns ein kräftiger Hauch Landluft ins Gesicht: Gülle. Der Vermieter kommt gleich aus dem Haus gelaufen: „Entschuldigen Sie, bitte…! Und morgen muss gleich nochmal gedüngt werden… Normalerweise riecht es hier anders!“ „Alles in Ordnung“, lacht mein Mann. Mein Mann heißt übrigens xy. Nur für den Fall, dass er hier mal öfter auftaucht. „Wir wollten Urlaub auf dem Land, jetzt haben wir ihn!“ Ja, jetzt haben wir ihn. Und auf den ersten Blick gefällt mir, was ich sehe.

Unser Häuschen inklusive Unterkunft ist mindestens genauso entzückend wie die Landschaften ringsum. Der komplette Hof besteht aus rot verklinkerten Backsteingebäuden, natürlich, die von einem ebenfalls rot gepflasterten Hof zusammengehalten werden. Alles ist einfach perfekt in seiner Unperfektheit. An den Fassaden ranken Efeu, wilder Wein und Blauregen empor, üppige Hortensien blühen in prachtvollem Pink neben der Eingangstür des Haupthauses. In einem Anbau links davon wohnt wohl der Sohnemann, Student in Bochum, am Wochenende zum Surfen hier, in einem weiteren Anbau, rechts davon, liegt unsere Einliegerwohnung, weiter hinten auf dem Grundstück der private Garten, den wir ausdrücklich mitnutzen können.

„Das Wetter ist nur leider nicht so gut“, sagt Herr mit echtem Bedauern in der Stimme. „Aber hier haben wir einen überdachten Raucherbereich.“ Außerdem können wir uns an den Kräutern im Garten bedienen. „Wir haben alles!“ strahlt Herr XY. Wir glauben ihm das aufs Wort und bekommen im Handumdrehen noch eine ziemlich genaue Wegbeschreibung zum nächsten am Freitagabend um halb acht noch geöffneten Supermarkt geliefert. Es handelt sich um einen Penny. Wenn das der einzige Abstrich ist, den wir machen müssen, dann ist die Welt hier draußen erstmal in Ordnung. Das mit dem Bezahlen der Wohnung machen wir später: „Kommen Sie erstmal an.“

Das machen wir. Die Bude ist klein und wahnsinnig süß. Von der Eingangstür fallen wir direkt in die Küche, die eine optimale Größe hat: eine komplett ausgestattete L-Küchenzeile findet Platz, ein kleiner Esstisch (wichtig für uns – wir sind Küchensitzer!) und natürlich eine Garderobe und eine Schuhbank, schließlich ist die Küche gleichzeitig Flur und Diele. Rechts von der Küche geht es ab in den kombinierten Schlaf- und Wohnbereich – sieht gemütlich aus. Nimmt man die im hinteren Bereich der Küche liegende Tür nach links gelangt man in das Bad. Es hat ein bisschen was von einem Hobbithaus, alles ist auch irgendwie grün oder aus Holz oder Kork. Natürliche Materialien und Farben – das passt ins Konzept und wir freuen uns irgendwie darüber. Frische Schnittblumen stehen in der ganzen Wohnung verteilt in kleinen Vasen. Hier eine pinke Nelke, da eine gelbe Ranunkel, überall ein bisschen Schleierkraut. Wir freuen uns, wir fühlen uns wohl.  

Spaziergang mit Storch

Nach dem Einkauf spazieren wir über Feldwege und durch Dörfer in der untergehenden Sonne. Es ist zwar noch Hochsommer, aber dass die Sonne schon tiefer steht und die Tage kürzer werden lässt sich nicht leugnen. Oskar und Rudi, die Hunde, interessiert das nicht besonders, sie sind damit beschäftigt zu toben, wie junge Hunde es eben tun. Es sei denn sie begegnen einem Storch. Davon gibt es scheinbar ziemlich viele in der Gegend. Man sieht sie von Weitem durch die Felder starksen. Irgendwie haben sie fast etwas Menschliches, so aus der Entfernung. Wie dürre, bucklige Heimlichtuer sehen sie aus, wenn sie über ihre Schulter zu uns `rüberlinsen und mit angewinkeltem Bein erstarren, sobald sie uns erblicken. Oskar und Rudi erstarren auch. Sie scheinen dasselbe zu denken wie ich, nur ohne zu denken. Sie wissen nicht, ob sie Angst haben, angreifen oder einfach weiterlaufen sollen. Ich nehme ihnen die Entscheidung ab und wir laufen weiter. Puh. Danach passiert nicht mehr viel. Die ländliche Ruhe ist ziemlich schnell in uns reingekrochen. Bald am Abend schlafen wir alle friedlich ein.

To Be Continued…

Regina Tücking

Hallo liebe Leser und Reisefreunde! Ich bin Regina, Teil des kleinen, aber feinen Autorenkollektivs des touriDat-Blogs und kümmere mich in erster Linie um die Kategorie EcoTravel. Dort versorge ich euch regelmäßig mit vielen interessanten Infos, Hintergrundwissen, Tipps und Empfehlungen rund um das Thema nachhaltig Reisen und sanfter Tourismus. Ich freue mich darauf, dieses spannende Thema mit euch anzugehen und zusammen mit euch jede Menge Neues zu lernen!

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